Resümee Hans-Grundig-Kolloquium 2016

Vom 11. bis 12. November 2016 fand als Kooperationsveranstaltung der Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Hochschule für Bildende Künste und der Städtischen Galerie (mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung) das wissenschaftliche Kolloquium «Kontinuität und Neuanfang. Hans Grundig nach 1945 in Dresden» statt. Internationale KunsthistorikerInnen, HistorikerInnen und KuratorInnen diskutierten im Rahmen der zweitätigen internationalen Tagung den Stand der Forschungen zu Hans Grundig und entwickelten neue Zugänge zu diesem Kapitel der Dresdner bzw. deutsch-deutschen Geschichte. Eingeleitet wurde die Konferenz mit dem Festvortrag der US-amerikanischen Kunsthistorikerin Prof. Dr. April Eisman (Ames, Iowa) im Hermann-Glöckner-Saal des Albertinums, die einen weiten Überblick über die transatlantische Perspektive auf Kunst und Kultur der ehemaligen DDR gab. Aus Anlass der Veranstaltung wurde erstmalig seit langer Zeit wieder das Gemälde Herbst (1947) von Hans Grundig in den Ausstellungsräumen der Galerie Neue Meister Dresden dem Publikum präsentiert. Eine Dokumentation der verschiedenen Tagungsbeiträge finden Sie demnächst unter Kolloquium.

11.–12. November 2016 in Dresden
Kontinuität und Neuanfang: Hans Grundig nach 1945 in Dresden
Kolloquium der Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung

In Vorbereitung der Ausschreibung zum Hans-und-Lea-Grundig-Preis 2017 veranstaltet die Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung in Zusammenarbeit mit Dresdner Kulturinstitutionen und mit freundlicher Unterstützung durch die Rosa Luxemburg Stiftung ein Begleitprogramm, das sich sowohl kunsthistorischen, als auch gesellschaftspolitischen Themen widmet und damit das breite Spektrum der Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung absteckt.
Einer bislang kaum beachteten Schaffensperiode des Dresdner Künstlers und Kulturpolitikers Hans Grundig (1901–1958) widmet sich die zweitägige internationale Konferenz «Kontinuität und Neuanfang. Hans Grundig nach 1945 in Dresden», die am 11. und 12. November 2016 in Dresden stattfinden wird.

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14. November 2016, 15–17 Uhr (Workshop), 19 Uhr (Aufführung)
Staatsschauspiel Dresden, Kleines Haus, Bühne 3, Glacisstraße 28, 01099 Dresden
Translation. Überlegungen zum Turmbau zu Babel
Theaterstück und Publikumsgespräch zur Frage der Übersetzbarkeit von Biografien und Schicksalen

Theaterkollektiv um Performancekünstlerin Olga Jitlina im Montagscafé des Staatsschauspiels zu Gast / Veranstaltung im Begleitprogramm des Hans-Grundig-Kolloquiums.

Das Theaterstück Translation stellt die Frage nach der Übersetzbarkeit von Biografien und Schicksalen. Eine Gruppe politisch aktiver Flüchtlinge besteht darauf, die inquisitorischen Fragen eines Interviewers im Asylverfahren gemeinsam statt einzeln zu beantworten. Sie tragen Textstellen aus Andrej Platonows Roman Seele (Džan) in vier Sprachen vor und versuchen auf diese Weise, ein universelles Vokabular für ihre Situation zu finden. Als Übersetzerin agiert eine Sopranistin, die das Gesagte als Opernarien interpretiert.
Olga Jitlina brachte das Stück gemeinsam mit der Gruppe Lampedusa in Hamburg erstmals im Dezember 2015 beim Festival Nordwind in Hamburg auf die Bühne. In Dresden stellen sie und die Aktivist_innen das Werk in Auszügen vor und diskutieren mit dem Publikum über die Situation von Geflüchteten und ihre Kämpfe um Rechte und Anerkennung.

Von 15 bis 17 Uhr bietet das Theaterkollektiv einen Workshop zur künstlerischen Auseinandersetzung mit den Themen Flucht und Migration an.

Mit Olga Jitlina (Videokünstlerin, St. Petersburg), Ali Difi, Patrick Owusu, Anas Bardan (alle Lampedusa in Hamburg), Yulia Awerina (Sopranistin), David Lenard (Staatsschauspiel Dresden) u.a.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Rosa-Luxemburg-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung und dem Staatsschauspiel Dresden.

Publikation
Lea Grundig. Kunst für die Menschen
von Maria Heiner in der Reihe Jüdische Miniaturen erschienen

Die langjährige Wegbegleiterin und intime Kennerin des Werkes von Lea Grundig, Dr. Maria Heiner, legt mit der Publikation Lea Grundig. Kunst für die Menschen, erschienen als Band 184 in der Reihe Jüdische Miniaturen beim Berliner Verlag Hentrich & Hentrich, eine ausführliche biografisch-kunsthistorische Würdigung des Schaffens der jüdischen Grafikerin und Kulturpolitikerin vor. Heiner zeichnet dabei den Weg Grundigs aus ihrem jüdischen Elternhaus, über das Studium an der Dresdner Akademie, den Widerstand gegen das NS-Regime und die Jahre von Flucht und Exil bis hin zur Rückkehr nach Dresden im Jahre 1949, sowie ihre weitere Entwicklung in der DDR nach. Besondere Aufmerksamkeit widmet Heiner dabei den hebräischen Kinderbuchillustrationen der Grundig, die während ihrer Emigration in Palästina entstanden waren. An diese konnte sie mit den grafischen Arbeiten zu deutschsprachigen Klassikern nach dem II. Weltkrieg auch in ihrer Heimat erfolgreich anknüpfen.

Die Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung gratuliert Dr. Maria Heiner zu ihrer wichtigen Publikation!

12. Oktober 2016, 19 Uhr
riesa efau Kultur Forum Dresden
Den Opfern eine Stimme geben.
Zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex

Podiumsdiskussion im Begleitprogramm des Hans-Grundig-Kolloquiums

Mit Esther Dischereit (Wien/Berlin), Hannah Maischein (München) und Regina Weiss (Berlin). Moderation: Denise Ackermann (riesa efau).
Begrüßung: Susann Scholz-Karas (Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen)

Welchen Beitrag kann die Kunst angesichts der weitgehend unbefriedigenden Aufarbeitung der NSU-Mordserie leisten? Ist sie nötig, um die Opfer der rassistischen Gewalttaten in ihrer Individualität sichtbar zu machen? Spricht sich in der Trauer endlich aus, was die Politik nicht zu sagen weiß? Die Kulturwissenschaftlerin Hannah Maischein und die Fotografin Regina Weiss haben im Jahr 2014 ihr Interviewprojekt Sprachlose Gegenstände stoßen uns an – Nachdenken über Theodoros Boulgarides über ein Münchner Mordopfer des NSU veröffentlicht. Im selben Jahr brachte Esther Dischereit, Professorin für Sprachkunst an der Wiener Universität für angewandte Kunst, ihr Buch und Hörspiel Blumen für Otello. Über die Verbrechen von Jena heraus, die auch dokumetarische Spuren zu den Tätern enthalten. Die Beiträge von Maischein/Weiss und Dischereit wurden im Jahr 2015 von der Jury des Hans-und-Lea-Grundig-Preises, dem Kunstpreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung, lobend erwähnt.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Hans-und-Lea-Grundig-Stiftung, riesa efau Kultur Forum Dresden, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und Rosa-Luxemburg-Stiftung

Ort:
riesa efau Kultur Forum Dresden, Konzertkeller, Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden

Weiterführende Informationen:
zu Esther Dischereit
zu Regina Weiss
zu riesa efau Kultur Forum Dresden