Die Jury für den Hans-und-Lea-Grundig-Preis 2025
Dorothea Schöne (Ko-Vorsitzende), studierte Kunstgeschichte, Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Leipzig. Von 2005–2006 war sie als Fulbright-Stipendiatin an der University of California, Riverside und arbeitete von 2006 bis 2009 am LA County Museum of Art (LACMA) als kuratorische Assistenz im Rahmen der Ausstellung Art of Two Germanys/Cold War Cultures, die 2010 auch in Nürnberg und Berlin zu sehen war. Von 2010 bis 2014 war sie freiberuflich als Kuratorin und Kunstkritikerin tätig und arbeitete zugleich an ihrer Dissertation. 2015 wurde sie im Fach Kunstgeschichte zur Berliner Nachkriegsmoderne promoviert. Für ihre Forschungen erhielt sie den Robert R. Rifkind Scholar-in-Residency-Grant (2019), den Doina Popescu Postdoctoral Fellowship der Ryerson University Toronto (2015), den Getty Library Research Grant und ein DAAD Reisestipendium (2011). 2012 war sie Fellow am Deutschen Historischen Institut in Washington D.C. und 2018 Gastkuratorin am HOW Art Museum in Shanghai. 2021 wurde sie mit dem Hans-und-Lea-Grundig Preis ausgezeichnet, der Forschungen und Ausstellung zu verfolgten und verfemten Künstlerinnen und Künstlern würdigt. Im Mai 2024 folgte sie einer Einladung des Haugar Kunstmuseums in Norwegen als Research in Residence. Seit Februar 2014 Künstlerische Leiterin des Kunsthaus Dahlem in Berlin.
Klaus Lederer (Ko-Vorsitzender), geboren am 21.3.1974 in Schwerin, Schulbesuch bis zum Abitur 1992 in Frankfurt (Oder) und von 1988 an in Berlin. Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin, 1. Staatsexamen 1998, Promotion zum Dr. jur. an der Humboldt-Universität Berlin 2004, 2. Staatsexamen 2006, Rechtsanwalt in Berlin seit 2006, zwischen 2006 und 2016 Tätigkeit als Lehrbeauftragter, vor allem an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR). Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin von 2003 bis 2016 und seit 2021, Bürgermeister von Berlin und Senator für Kultur und Europa von 2016 bis 2023. Mitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Helle Panke – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin. Publikationen zu diversen Themen, darunter auch zu aktuellen kulturpolitischen Fragen, etwa zur Erinnerungsarbeit und Geschichtsaufarbeitung, kultureller Vielfalt und der Zugänglichkeit von Kultur, zur Freiheit der Künste und künstlerischen Projekten und Institutionen.
Avi Feldman ist Kurator und gründete 2021 die Galerie Wannsee Contemporary in Berlin-Wannsee. 2018 war er Curator in Residence von Ludlow 38 in New York, dem kuratorischen Aufenthaltsprogramm von Goethe-Institut. Feldman ist Gründer von The Agency for Legal Imagination, einer unabhängigen Organisation, die sich der Erforschung der realen und imaginären Beziehungen zwischen juristischer und künstlerischer Einbildungskraft sowie dem visuellen und juristischen Aktivismus verschrieben hat. Die Agentur nahm nach einem Aufenthaltsstipendium in New York ihre Arbeit auf und führte Workshops und eine Ausstellung am Artport Tel Aviv durch (2015–2017). Dr. Feldman hat einen Abschluss in Rechtswissenschaften und ist seit 2005 Mitglied der israelischen Anwaltskammer. Kürzlich erwarb er seinen Ph.D in kuratorischer Praxis an der University of Reading in Kooperation mit dem Graduiertenprogramm für Kuratieren am Institut für Kulturwissenschaft der ZHDK Zürich. Seit 2024 unterrichtet Feldman am Bard College Berlin und an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle einen von ihm entwickelten Kurs mit dem Titel: Wannsee: Labor für die Zukunft.
Jens Heitjohann studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Er arbeitet sowohl als freischaffender Künstler und Regisseur in Grenzregionen zwischen Theater, Performance sowie Installations- und Medienkunst wie auch als Kurator. Seine künstlerischen Arbeiten werden in Theaterkontexten ebenso wie in Kontexten der Bildenden Kunst präsentiert. Von 2008 bis 2017 war er Dozent für Mediendramaturgie und Projektentwicklung am Fachbereich Dramaturgie der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Von 2010 bis 2016 leitete Jens Heitjohann das von ihm gegründete Festival RESONANZEN, ein Festival für akustische Künste in Leipzig. 2019 und 2020 arbeitete Jens Heitjohann für die Stadt Wuppertal an der Entwicklung der Sparte Forum Wupperbogen des zukünftigen Pina Bausch Zentrums. Seit Herbst 2021 ist er Künstlerischer Leiter des Theaters im Depot in Dortmund. Ausgewählte Arbeiten: In Begleitung, Dortmund (2012); Don’t Play! Eine dokumentarische Spektralgymnastik, together with Liz Waterhouse, Leipzig (2013/2014), I promise, I am the Future, Dortmund (2013), Ohne Titel #1, Mannheim (2014), I promise… Eine bewegte Meditation über Versprechen, die wir nie gegeben haben, Dortmund (2014), Phonorama, Leipzig (2015).
Henrike Naumann wurde 1984 in Zwickau (DDR) geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin und London. Sie reflektiert gesellschaftspolitische Probleme auf der Ebene von Design und Interieur und erkundet das Reibungsverhältnis entgegengesetzter politischer Meinungen im Umgang mit Geschmack und persönlicher Alltagsästhetik. In ihren immersiven Installationen arrangiert sie Möbel und Objekte zu szenografischen Räumen, in welche sie Video- und Soundarbeiten integriert. In Ostdeutschland aufgewachsen, erlebte Henrike Naumann in den 90er Jahren Neonazis als dominante Jugendkultur. Ihre Praxis reflektiert die Mechanismen der Radikalisierung und deren Zusammenhang mit persönlicher Erfahrung. Obwohl sie in ihrer Arbeit intensiv mit deutscher Geschichte auseinandergesetzt hat, stellt Naumann diese Perspektive durch ihre Arbeit in verschiedenen internationalen Kontexten immer wieder in Frage. Ihre künstlerische Praxis wird von einer Vielzahl von Vorträgen und interdisziplinären Kooperationen begleitet, die die Fragestellungen ihrer Arbeit reflektieren. Henrike Naumann ist Stipendiatin des Berliner Programm Künstlerische Forschung 2024/25.
Haleh Redjaian (geb. 1971, Frankfurt/M.) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Kunstgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt/M. und anschließend Zeichnung, Druckgrafik und Bildhauerei an der Königlichen Akademie für Schöne Künste in Antwerpen. Redjaian hat an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teilgenommen, darunter: In Real Time, NYU AbuDhabi Art Gallery (2024), Haleh Redjaian im Dialog mit Sofie Dawo, Kunsthaus Dahlem (2024), Sehen im Kunstverein Aschaffenburg (2023), My dream never has walls, Duo-Ausstellung Fernanda Fragateiro & Haleh Redjaian, Valerie Traan Antwerpen (2023), Raising Flags, Museum in progress Wien (2023), The Tide is High, Kunsthaus Wiesbaden (2022), Klangteppich IV Festival, Telegrafie & Klangkunst, TAK, Berlin (2022), L‘année dernièr à Malmaison, SAC Bucharest, (2022), Textile, Haunt Berlin, drj art projects, Berlin (2022), Stasi frenetica, MAO, Turin 2020, White Leaves One and Two on Their Place, Gallery Isabelle van den Eynde, Dubai (2020), Some Things Last A Long Time, Kajetan Berlin (2019), Points, Lines, Planes, Galerie Krobath Wien (2019), Jaou Festival, Earth Pavillion curated by Khadija Hamdi, Tunis (2018), Out of Office at Museum fur Konkrete Kunst, Ingolstadt (2017) and Stadtische Galerie Bietigheim-Bissingen (2018), In sequence I and II in Kunstverein Bregenz and Federkiel München (2016), SIEBEN, Aktuelle Positionen aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, Museum Ritter Waldenbuch (2014).
Ines Weizman (geb. in Leipzig) ist Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur und Leiterin des PhD-Programms an der School of Architecture am Royal College of Art in London. Von 2022 bis 2024 war sie zudem Professorin für Architekturtheorie und Design an der Akademie der bildenden Künste am Institut für Kunst und Architektur in Wien. Mit dem Centre for Documentary Architecture (CDA) leitet sie ein interdisziplinäres Forschungskollektiv aus Architekturhistoriker*innen, Filmemacher*innen und digitalen Technolog*innen, das internationale Exilgeschichten und Architekturen der Moderne erforscht. Ein Ausstellungsprojekt wurde im Jahr 2015 mit dem Hans und Lea Grundig-Preis ausgezeichnet, dessen Jury sie seit dem Jahr darauf angehört. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehört die deutsche und französische Übersetzung der mit Eyal Weizman im Jahr 2014 herausgegebenen Publikation Before and After. Documenting the Architecture of Disaster (dt.: Vorher und Nachher. Die Architektur der Katastrophe). Zuvor erschienen Dust & Data: Traces of the Bauhaus across 100 Years und Documentary Architecture / Dissidence through Architecture, nächstes Jahr kommt ihr Buch Joséphine Baker across the Colonial Modern heraus. Sie war Kommissarin des litauischen Beitrags auf der Architekturbiennale Venedig 2023 und präsentierte dort auch ihre Installation Of All the Gin Joints in All the Towns in All the World… : Joséphine Baker und moderne Architektur in der kolonisierten arabischen Welt„, die auch in Diriyya und Berlin gezeigt wurde.
Mirjam Zadoff ist seit Mai 2018 Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Zuvor war die promovierte und habilitierte Historikerin als Professorin für Geschichte und Jüdische Studien an der Indiana University (Bloomington, USA) tätig. Gastprofessuren führten sie unter anderem nach Zürich, Berkeley, Berlin und Augsburg. In Forschung und Lehre beschäftigt sich Zadoff mit Erinnerungskulturen, neuen Formen der Vermittlung von Geschichte sowie der Rolle von Museen als politische und demokratische Orte. Sie schreibt Gastkommentare für SZ, FAZ, Freitag und Die Presse und lehrt an der Fakultät für Geschichte der LMU München. Zadoff ist Herausgeberin und Autorin zahlreicher Bücher, Ausstellungskataloge und Artikel. Darunter sind Tell me about yesterday tomorrow (hg. mit Nicolaus Schafhausen), Die Stadt ohne: Juden, Ausländer, Muslime, Flüchtlinge (hg. mit Andreas Brunner, Barbara Staudinger und Andreas Sulzenbacher) sowie die Monografien Der rote Hiob. Das Leben des Werner Scholem und Nächstes Jahr in Marienbad. Gegenwelten jüdischer Kulturen der Moderne. Sie ist u. a. Mitglied des Hochschulrates der Akademie der Bildenden Künste München und der Deutschen Delegation der International Holocaust Remembrance Alliance.
Ines Weizman, geb. 1973 in Leipzig, Studium an Bauhaus-Universität Weimar, Sorbonne, École d’Architecture de Belleville in Paris, University of Cambridge und Architectural Association School of Architecture London, wo sie 2005 promovierte. Seit 2001 Lehre an verschiedenen Schulen und Universitäten (Architectural Association, Goldsmiths College London, Berlage Institute Rotterdam, London Metropolitan University). Seit 2013 Professorin für Architekturtheorie an der Bauhaus-Universität Weimar. Leitung des Bauhaus-Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur sowie des Centre for Documentary Architecture an der BUW, zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen, 2015 Hans-und-Lea-Grundig-Preis in der Kategorie «Kunstvermittlung».
